CAPNETZ - Kompetenznetz Ambulant Erworbene Pneumonie

Die ambulant erworbene Pneumonie (community acquired pneumonia-CAP)

gilt als eine der weltweit bedeutendsten Infektionserkrankungen. Sie ist mit einem hohen Sterblichkeitsrisiko behaftet. Trotz der medizinischen und gesundheitsökonomischen Bedeutung dieser Erkrankung fehlten in Deutschland bis zum Ende des zwanzigsten Jahrhunderts zuverlässige Daten zur Epidemiologie der Erkrankung in Deutschland, zu den Risikofaktoren, zum Erregerspektrum, zur Resistenzsituation der Erreger und zum Verlauf der Erkrankung. Ebenso fehlten für die Diagnose der Lungenentzündung und deren Therapiemanagement anerkannte und etablierte Standards.
    
Deshalb gründete sich im Jahr 2001 das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Kompetenznetzwerk „Ambulant erworbene Pneumonie“ (CAPNETZ) Ziel von CAPNETZ ist es, dass weniger Menschen an Lungenentzündung erkranken und seltener daran sterben. Dazu müssen diagnostische und therapeutische Ansätze sowie daraus resultierende Behandlungsrichtlinien für die Patientenversorgung stets verbessert werden. Um die Ziele zu verwirklichen, wurde im Jahr 2002 die CAPNETZ-Studie initiiert – bis 2017 konnten knapp 12.000 CAP-Patienten in die Studie eingeschlossen und ein entsprechend umfangreiches Daten- und Probenmaterial gewonnen werden. Etwa ein Viertel dieser Patienten befand sich in ambulanter Behandlung und etwa drei Viertel wurden stationär aufgenommen. CAPNETZ verfügt damit über die weltweit umfangreichste Datenbank zur ambulant erworbenen Pneumonie. 

CAPNETZ arbeitet mit der CAPNETZ-Studie seit dem Jahr 2017 an neuen Fragestellungen für die Erforschung der Diagnose und des Managements der Lungenentzündung. Neue Ziele der CAPNETZ Studie sind deshalb:

  1. Die Entwicklung eines standardisierten und flächendeckend praktikablen Vorgehens zur Detektion respiratorischer Infektionserreger
    In den vergangenen Jahren sind an vielen Kliniken aufgrund struktureller und ökonomischer Gegebenheiten die Aufwendungen für eine Erregerdiagnostik bei einer Pneumonie zurückgegangen. Auch bei schweren Formen der Erkrankung erfolgt vielerorts keine umfassende Erregerdiagnostik mehr, sondern es wird auf die empirische Therapie auf der Basis bekannter Erregerspektren der Vergangenheit vertraut. Dies birgt nicht nur direkte Gefahren in der individuellen Behandlung von Patienten, sondern führt auch zunehmend zu einer schleichend schlechter werdenden Datengrundlage in der Erhebung epidemiologischer Daten zur CAP. Aufgrund dessen ist es ein Ziel von CAPNETZ, ein praktikables Vorgehen auf Basis molekularer Diagnostikverfahren für die Detektion von Erregern zu etablieren.
  2. Die Untersuchung der wechselseitigen Beziehung der Pneumonie  und chronischer Begleiterkrankungen
    Chronische Begleiterkrankungen, wie z.B. Herz, Nieren- oder Lungenerkrankungen, stellen wesentliche Risikofaktoren für einen schwereren Verlauf der Lungenentzündung dar. Bislang fehlen jedoch valide Daten, um genauere Aussagen zu einem solchen Risiko  zu treffen. Auf der anderen Seite stellt die Pneumonie einen entzündlichen Zustand dar, welcher zur Verschlechterung der Begleiterkrankung beitragen kann. Ein gängiges Beispiel ist die Zunahme von kardiovaskulären Komplikationen nach einer Pneumonie bei Patienten mit entsprechenden Begleiterkrankungen.
  3. Die Definition der Pneumoniepatienten, die einen Notfall darstellen
    Eine einheitliche Definition für eine Patienten mit einer Pneumonie, welche als internistischer Notfall zu betrachten und behandeln sind, existiert bisher nicht. Im Krankenhaus behandelte Patienten mit einer Lungenentzündung haben aber ein höheres Risiko zu versterben als bspw. Patienten mit einem Herzinfarkt. In der Notaufnahme des Krankenhauses steht daher die rasche Identifikation von Hochrisikopatienten mit einer akuten Organfehlfunktion und der Notwendigkeit einer intensiveren Beobachtung und Therapie im Mittelpunkt. Dafür wird eine Risikoeinteilung benötigt, die bei gefährdeten Patienten eine rasche Intensivierung der Versorgung zur Folge hat.
  4. Die Entwicklung von Strategien zur Behandlung von HIV-Patienten mit einer Pneumonie
    Die Lungenentzündung ist eine häufige Erkrankung, von der auch HIV-positive Menschen in Deutschland betroffen sind. Wie häufig Lungenentzündung bei HIV-Positiven aber genau auftritt und welche Konsequenzen die Erkrankung für die Betroffenen mit sich bringt, ist in Deutschland bisher nicht untersucht worden. Die erweiterte Datenerhebung der CAPNETZ-Studie seit 2017 wird  in den nächsten Jahren neue Erkenntnisse über Lungenentzündung auch bei HIV-positiven Menschen bringen. Ziel des neuen Studienprojektes ist u.a. herauszufinden, ob Lungenentzündung bei HIV-positiven Menschen schwerer verläuft und ob es häufiger zu Todesfällen kommt. Außerdem wird untersucht, ob sich die Erreger der Lungenentzündung bei HIV-Positiven von denen bei HIV-negativen Menschen unterscheiden. Dies würde Aufschluss darüber geben, ob HIV-Positive, die an einer Lungenentzündung erkranken eine andere antibiotische Therapie benötigen.

In der Zusammenfassung verbindet CAPNETZ klinische, mikrobiologische und Grundlagenforschungsaspekte, um neue Erkenntnisse zur Krankheitsentstehung, insbesondere zur Interaktion zwischen Erreger und Wirt zu gewinnen. Dem Kompetenznetz gelang es, einen besseren Einblick in die deutschen Verhältnisse in der Epidemiologie und der Versorgungsrealität zu erhalten.

 

S3-Leitlinie zur CAP

Die Veröffentlichung der S3-Leitlinie zur ambulant erworbenen Pneumonie, bei deren Erstellung CAPNETZ mitgewirkt hat, stellt einen Meilenstein für die Verbesserung der Versorgung von Patienten in Deutschland dar. Diese Leitlinie besitzt den höchstmöglichen Evidenzgrad (wissenschaftliche Begründbarkeit einer Therapieempfehlung) und wird durch alle betreffenden ärztlichen Fachgesellschaften mitgetragen. Sie wird regelmäßig überarbeitet, um die Empfehlungen dem aktuellen Stand der Diagnostik und Therapie sowie der Erregerepidemiologie und Resistenzsituation anzupassen. Die 3. Auflage ist im Jahr 2016 erschienen. Update 2016

In die Leitlinie sind wesentliche Erkenntnisse der epidemiologischen CAPNETZ-Forschung mit eingegangen.

Die Leitlinie ist in mehreren Fachorganen publiziert und inzwischen weit verbreitet. Klinisch tätigen Ärzten steht hiermit eine klare Handlungsanleitung für die Behandlung der Lungenentzündung zur Verfügung.

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